Der Eichenhain im Bernrieder Park aktuell

Die Freistellungsarbeiten im Eichenhain des Bernrieder Parks auf einer Fläche von insgesamt ca. 4 ha wurden im Winter 2012 abgeschlossen. Bis zum ersten Versuch einer Beweidung mit Rindern des Bernrieder Hofguts wurden die Flächen durch Mahd bzw. in den dichter mit Bäumen bestockten Flächen mit dem Weidemulcher von unerwünschtem Gehölzaufwuchs freigehalten.

Das „Projekt Eichenhain“ wurde mit Fördermitteln aus dem amtlichen Naturschutz unter finanzieller Beteiligung der Wilhelmina Busch-Woods-Stiftung finanziert. Ziel der Maßnahme war die Freistellung besonders der alten Eichen und Buchen des historischen Eichenhains zur Förderung und Erhaltung der damit verbundenen Lebensräume und seltenen Arten, insbesondere der holzbewohnenden Käfer. Um dieses Ziel dauerhaft zu erhalten, ist unbedingt die weitere Freihaltung der Flächen und die Förderung der Naturverjüngung aus den dort stockenden Eichen erforderlich.

Die urwüchsig anmutenden alten Eichen - weit ausladende, knorrige Baumgestalten - erweisen sich als Kulturzeugen einer weit zurückreichenden Form der landwirtschaftlichen Nutzung. Seit dem frühen Mittelalter wurden Wälder mit Rindern, Pferden, Ziegen und Schweinen beweidet. Es entstanden sogenannte „Hutewälder“, die je nach Intensität der Nutzung von geschlossenem Wald über parkartige Stadien bis zur freien Trift führten.

Unter den Augustiner-Chorherren wurden letztendlich durch die Waldweide und Eichelmast die Grundlagen für die parkartigen Strukturen im Eichenhain des Bernrieder Parks geschaffen. Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1945 kann man noch sehr gut die offenen, mit Einzelbäumen und Eichen-Buchen-Clustern bestandenen Flächen erkennen. Durch Reduzierung der Nutzung und partielle Aufforstungen wurde der Charakter des Parks und vor allem auch des Eichenhains stark verändert. Die lichten durchsichtigen Bereiche wurden von dichten waldartigen Gehölzbeständen abgelöst.

Im Eichenhain wurde nun der Versuch unternommen, diese Entwicklung zum Teil rückgängig zu machen und durch Förderung der Naturverjüngung und Nachpflanzung von Solitärgehölzen wieder das ursprüngliche Landschafts- bzw. Parkbild zu zeigen.

Um dies dauerhaft zu erhalten, soll versucht werden, in dem nicht als Wiese genutzten Bereich des Hains wieder Rinder weiden zulassen. Das Hofgut Bernried hat sich für die Vegetationsperiode 2015 bereit erklärt, einen ersten Beweidungsversuch zu unternehmen. In der Woche vor Pfingsten wurden erstmals fünf Jungtiere in der mittlerweile eingezäunten Fläche aufgetrieben. Im Sommer soll ein weiterer Weidegang erfolgen und je nach Aufwuchs eventuell noch einmal im Spätsommer. Es wird sich zeigen, wie die Fläche der Beweidung standhält, wie groß eventuelle Trittschäden sind und in welchem Maße die Naturverjüngung beeinflusst wird. Nach Bewertung all dieser Faktoren wird entschieden, ob eine Fortführung der Beweidung sinnvoll ist oder doch die Mahd die bessere Lösung wäre. Fachlich begleitet wird die Maßnahme von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Weilheim-Schongau. 

Im Jahre 2016 hat nun die Beweidung der Fläche mit Jungtieren des Hofgutes Bernried mit Erfolg begonnen und wird in diesem Jahr und in den nächsten Jahren fortgeführt. Damit wird der Eichenhain wieder in seiner ursprünglichen Nutzungsform genutzt.

                                                           
                                                                                                                                                           Susanne Hlawaczek 
                                                                                                                                                           Dipl.Ing.(FH) Landschaftsarchitektin 
                                                                                                                                                           Parkpflegerin